Auf Antrag der Grünen: Neubiberg lässt Risiken durch Starkregen analysieren

Der Gemeinderat von Neubiberg hat am 26. Oktober bei nur zwei Gegenstimmen beschlossen, ein Konzept zum Starkregen- und Sturzflut-Risikomanagement erstellen zu lassen. Die Initiative geht auf einen Antrag der Grünen Fraktion aus dem Jahr 2021 zurück.

Bisher hatte Neubiberg Glück

Starkregen kann jederzeit und überall auftreten, oft mit nur wenigen Minuten Vorwarnzeit. Von größeren Schäden durch Starkregen ist Neubiberg bislang verschont geblieben. Dass das nicht so bleiben muss, zeigt ein Blick in die Nachbarschaft: In Höhenkirchen-Siegertsbrunn fielen am 8. August 2015 knapp 100 Liter Regen pro Quadratmeter in nur zwei Stunden. Statistisch passiert das seltener als einmal in 100 Jahren. Für den Landkreis München verzeichnet der Starkregen-Monitor auf starkregen.de seit 2001 mehr als 100 Starkregenereignisse.

„Als Wasserbauingenieurin weiß ich: Überflutungen durch Starkregen lassen sich nie ganz verhindern. Aber solche Ereignisse werden zunehmen”, sagt Pascale Kollwitz-Jarnac, Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Neubiberger Gemeinderat. „Deshalb wollen wir als Gemeinde gezielt schutzbedürftige Gruppen und kritische Infrastruktur schützen und allen Bürgerinnen und Bürgern konkrete Empfehlungen zur Vorsorge geben. Wie wichtig das ist, hat die Planung der neuen Fahrzeughalle für die Feuerwehr Neubiberg gezeigt: Der zunächst vorgesehene Standort wäre bei Starkregen gefährdet.“

Das geplante Konzept im Überblick

So wird das Konzept für Neubiberg ab Anfang 2027 erstellt: Ein Fachbüro berechnet für das ganze Gemeindegebiet, wohin das Wasser fließt, wie hoch es steht und wie schnell es strömt. Untersucht werden drei Fälle: ein Starkregen, wie er statistisch alle 30 Jahre vorkommt, ein 100-jährlicher Starkregen von einer Stunde – in Neubiberg sind das nach den Daten des Deutschen Wetterdienstes rund 50 Liter pro Quadratmeter – und ein Extremereignis mit 100 Litern pro Quadratmeter pro Stunde. Daraus entstehen detaillierte Gefahrenkarten. Diese werden so aufbereitet, dass sie veröffentlicht werden können. Dazu kommt ein Maßnahmenkatalog, auch für die private Vorsorge.

„Jeder kann selbst vorsorgen, am besten bevor das Wasser im Keller steht“, sagt Jürgen Leinweber, Klimaschutz- und Umweltreferent der Gemeinde Neubiberg. „Mobile Barrieren, eine Pumpe und gesicherte Lichtschächte helfen. Und wer seine Versicherung prüft, erlebt keine böse Überraschung: Starkregenschäden deckt meist nur eine Elementarschadenversicherung ab.“

Digitale Hinweiskarte zeigt schon jetzt mögliche Gefahren 

Eine erste, grobe Einschätzung bietet die „Hinweiskarte Oberflächenabfluss und Sturzflut“ des Bayerischen Landesamts für Umwelt. Sie ist frei zugänglich im Umweltatlas Bayern (www.umweltatlas.bayern.de, Themenbereich Naturgefahren). Die Karte zeigt mögliche Fließwege und Senken, in denen sich Regenwasser sammeln kann. Allerdings bildet sie Wassertiefen oder ein bestimmtes Regenereignis nicht ab, und innerhalb von Siedlungen ist sie nur eingeschränkt aussagekräftig. Genau diese Lücke soll das neue Konzept für Neubiberg jetzt schließen.

Foto: Wikimedia, Pridatko Oleksandr

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